Was Uwe Steimle geritten hat, bei einem Parteitag der AfD aufzutreten, weiß wohl nur er alleine. Zumal es unnötig war. Befinden sich doch inzwischen in den Reihen des Kabarettpublikums genug Wähler der AfD, weswegen einige Kabarettisten heute immer Angst haben, dass die vermeintlich falschen Leute Beifall klatschen. Und wer die Falschen sind, kann man nicht erkennen, sie tragen ja keine Armbinden. Deswegen bleiben die Kabarettisten inzwischen oftmals beim Moralisieren.
Aber sonst? Diese ganze Aufregung um einen Satz von Uwe Steimle? Mit Blick auf Friedrich Merz fragte er polemisch, wo denn Stauffenberg bleibe, wenn man ihn mal braucht. Man kann seine Abneigung gegen Merz sicher anders formulieren, aber die Aufregung erscheint mir dann doch zu groß und zudem doppelbödig. Es darf an Martin Sonneborns Wahlkampfplakate erinnert werden, mit denen er Aufsehen erregte. Diese hingen an Laternenmasten und trugen die Aufschrift: „Hier könnte ein Nazi hängen“. Ich würde darauf wetten, dass sich so mancher Nazigegner ohne jegliche moralischen Bedenken darüber köstlich amüsiert hat.
Der Kabarettist Georg Schramm hatte in seinem sehr sozialkritischen Programm „Thomas Bernhardt hätte geschossen“ einen Satz drin, der da lautete: „Man müsste mal ein Zeichen setzen“ und legte ganz nebenbei einen Revolver auf den Tisch. Satz und Gestik wirkten völlig voneinander losgelöst. Genial inszeniert und doch, wer wollte, konnte hier natürlich jede Gewaltphantasie reindeuten. Übertragen, soweit ich mich richtig erinnere, im ZDF. Und noch weiter zurück, zum Ende der DDR wurde in einem Programm darüber philosophiert, ob man Erich Honecker (in dem Fall ein Bild) denn hier oder dort aufhängen soll. Das Programm kam nicht zur Aufführung. Und die Diskussion um den Text von Danger Dan ist nun wieder ein ganz aktuelles Beispiel. Aufruf zur Gewalt wird vorgeworfen und dem ZDF Zensur, die der eine oder andere bei Uwe Steimle gerne gehabt hätte. Also alles in allem nichts Neues unter der Kabarettsonne. Hat es alles schon gegeben.
Man muss indes nicht beim Kabarett bleiben. Man übersetze nur mal die eine oder andere Nationalhymne, die zu Beginn eines Fußballspiels mit Inbrunst gesungen wird. Bei den Franzosen zum Beispiel: „Vorwärts, marschieren wir! Das unreine Blut möge die Furchen unserer Äcker tränken!“ – Aufruf zur Gewalt? Na ja, so manches Foul mag da grenzwertig sein, aber Vernichtungsphantasien würde man eben doch nicht reindeuten. Warum? Weil man es einordnen kann. Und das sollte man beim Kabarett auch. Wer sich wirklich Gewaltandrohung und Vernichtungsphantasien anschauen will, der braucht nur im Internet zu schauen, wie völlig unverblümt Politiker, Ehrenamtler und Minderheiten mit Gewalt bedroht werden. Diese sollte man ernster nehmen.
Hätte Uwe Steimle seinen Satz in einer normalen Kabarettvorstellung gebracht, wäre das passiert, was immer passiert. Die einen hätten herzhaft gelacht und die anderen wären erschrocken zusammengezuckt. Und das kann und soll im Kabarett ja immer mal wieder vorkommen.

