Die Stadt Aschersleben und die Bundesvereinigung Kabarett e.V. verleihen gemeinsam den Kleinkunstpreis der Stadt Aschersleben 2025.

Wie beschreibt man unseren diesjährigen Preisträger und seine Leistung für die Kabarettszene? Denn auf den Kabarettbühnen ist er nicht präsent. Eine Rezension über ein Kabarettprogramm von ihm sucht man vergebens. Was wiederum nicht verwunderlich ist. Denn er arbeitet gewissermaßen Backstage. Laut Wikipedia ist er ein deutscher Autor und Journalist mit dem Schwerpunkt Satire und Kabarett. Das klingt so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dem ist mitnichten so.

Denn wenn man eine Berufsausbildung zum Maschinenbauer mit Abitur beginnt und dann ein Technologie-Studium der metallverarbeitenden Industrie mit einem Diplom abschließt, dann erwartet man diese Ausrichtung nicht zwangsläufig. Die schlich sich allerdings schon bald in sein Leben, und zwar als er in den 80er Jahren im Zirkel schreibender Studenten unterwegs war, die ersten Schreibversuche machte und Kontakte in die Szene knüpfte. Wie so oft zwang die Wende, wie viele dieser Generation, sich für etwas zu entscheiden. Vorzugsweise für etwas mit Perspektive. Die metallverarbeitende Industrie war es definitiv nicht. Und so kam es, dass er sich quasi mit Haut- und Haaren dem Genre widmete, das ihm auch die notwendige Erfüllung brachte.

Fortan war er als freier Mitarbeiter für den Rundfunk tätig. So eine Tätigkeit ist nicht ganz so frei, wie es vielleicht klingt. Sammelte also seine Erfahrungen im Guten wie im Schlechten und agierte ab 2001 immerhin dann 15 Jahre lang als redaktionell verantwortlicher freier Mitarbeiter für den Kabarett-Sendeplatz, auf dem sowohl über das Kleinkunstgeschehen im Sendegebiet des MDR als auch im deutschsprachigen Raum informiert wurde.

Dass er dabei eigentlich „nur“ seinen Beruf ausgeübt hat, war der Kabarettsache nicht abträglich, denn er hat ihn sehr gut ausgeübt. Interviews mit namhaften Kabarettisten prägten seine Sendungen. Er hielt, um mal die Bildsprache des Fußballs zu bemühen – das Kabarett medial im Spiel. Und sein Wissen gab er gerne an jüngere Kollegen und Kolleginnen weiter.

Wer einmal für ein Genre brennt, kommt nicht um ehrenamtliche Tätigkeit herum. Und so wundert es natürlich nicht, dass er Mitorganisator der „Leipziger Lachmesse“ wurde und auch sonst Jurorenverantwortung bei der Vergabe von Kabarettpreisen übernahm. Heute ist er selbst fällig.

Und das liegt auch daran, dass er in die Bresche sprang und die Initiative ergriff, als ein Regionaler Rundfunksender eine beliebte Satiresendung – sein Kind – aus dem Programm nehmen wollte. Eine einstündige Satiresendung, in der – wie er sagt, „…über das aktuelle Geschehen in der Szene mit Hörbeispielen ausführlich berichtet werden kann, was in den üblichen Vier-Minuten-Beiträgen im Tagesprogramm schwerlich möglich ist.“ So schrieb er denn Briefe an die Intendanten und erzwang ein Gespräch mit einem Vertreter des Senders. Und dann ereilte diesen Kabarettenthusiasten das, was auch das Schicksal der spielenden Kabarettisten ist. Es änderte sich nichts. Die Sendung verschwand.

Aber darum geht es nicht, weil es den Versuch allemal wert war, weil er ja trotzdem weitermacht, wie die Kabarettisten auf der Bühne auch und weil man es eben immer wieder versuchen muss. Und deshalb erhält den Kleinkunstpreis der Stadt Aschersleben Harald Pfeifer. Mit 2 f, eins vor dem „ei“ und eins nach dem „ei“.

Olaf Kirmis
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